Aufbau eines Betriebsmanagementsystems im Zuge der Wertermittlung der Kläranlage Bamberg

Gaul Ingenieure in enger Zusammenarbeit mit dem Entsorgungs- und Baubetrieb Bamberg

Ausgangssituation:
Im Zuge der Wertermittlung der gesamten Abwasseranlage der Stadt Bamberg ist ein besonderes Augenmerk auf die Kläranlage zu richten. Diese besteht aus einer Unmenge verschiedener Anlagenteile, die wiederum aus baulichen, maschinentechnischen und elektrotechnischen Einrichtungen zusammengesetzt sind.
Die detaillierte Erfassung dieser Anlagenteile ist notwendig, um zum einen die Herstellungskosten und zum anderen die verschiedenen Abschreibungssätze exakt zuordnen zu können. Daher wurde eine Vor-Ort-Aufnahme notwendig.
Zwei Fliegen mit einer Klappe
Wenn nun schon eine aufwendige händische Datenerfassung durchgeführt werden muss, welche weiteren Daten können dann zusätzlich im gleichen Arbeitsgang mit erfasst werden, damit sich der Aufwand noch mehr rechnet?
Das war die Frage, die sich Auftraggeber und Auftragnehmer stellten. Schnell war man sich einig, dass die recht aufwändige händische Erfassung der Kostendaten um einige technische Daten erweitert werden sollte, um das auf der Kläranlage bereits installierte Betriebsmanagementsystem noch weiter mit relevanten Daten und somit mit „Leben“ zu füllen.
Betriebsmanagementsystem
Die regelmäßige Wartung, Instandhaltung und Prüfung (WIP) der Kläranlage mit 220.000 EW wird künftig EDV-basiert erfolgen.
Ziel ist es, die gestiegenen Anforderungen an die Betreiber, insbesondere hinsichtlich der rechtssicheren Dokumentation durchgeführter WIP-Maßnahmen gerecht zu werden und die Kosten für Planung, Organisation und Überwachung solcher Maßnahmen zu reduzieren.
Ein Betriebsmanagementsystem schafft Ordnung, Übersicht, Effizienz und Sicherheit.


Im Detail bedeutet dies:

  • Erfassen aller wichtigen Daten in einer einheitlichen Datenbank, z. B.: Adress- und Lagerverwaltung; Verwaltung von Betriebsmitteln, Personal, Fahrzeugen, Werkzeug und Geräten
  • Lückenlose Datenerfassung und Nachvollziehbarkeit aller Schritte - auch der Sicherheitsmaßnahmen
  • Anlagenbestand und -lebenslauf der einzelnen Komponenten sind klar dokumentiert
  • Eine mühelose zeit- und personalsparende und somit kostensenkende Kontierung
  • Kostenoptimierung durch Verfolgung der Prozesse
  • Die Daten sind benutzerspezifisch zugänglich, d. h. nicht alle Daten sind für jeden Benutzer sichtbar, somit einfaches Handling und geringer Datenwust
  • Statistische Daten sind jederzeit abrufbar
  • Dynamische Daten (Betriebsparameter, z. B.: pH-Wert) sind erfassbar und werden in vorhandene WIP-Programme eingebunden
  • Rückmeldungen (z. B. von Wartungsaufträgen) und deren Auswertung für ständige Optimierung
  • Einfließen dieser Erkenntnisse in Instandhaltungsprozesse und ständiges "updaten" der Überprüfungsstrategie
  • Erfassung, Auswertung und Bewertung aller Informationen und deren Bereitstellung
  • Analysen und Datenauswertungen in Form von Grafiken (z. B. Maschinen-, Anlagen-, Tätigkeitsanalysen)
  • Mögliche Verwendung von Barcode-, Transponder- und GPS-Technologie


Ergebnisse - Managementsystem
Der Anlagenbetreiber erstellt sich seinen individuellen sog. „Betriebsmittelbaum“ (siehe Abb. 1). Dieser stellt im Prinzip eine gewünschte Aufteilung seiner einzelnen Anlagenteile im Explorer-Format dar. Er hat die Möglichkeit, den Detailierungsgrad selbst zu bestimmen, d. h. er kann die gesamte Kläranlage bis ins kleinste Detail abbilden. Jeder dieser „Zweige“ bzw. Betriebsmittel im Explorer- bzw. Betriebsmittelbaum erhält ein Datenblatt, auf welchem wiederum alle spezifischen und individuellen Daten aufgeführt werden können.
Nach dieser schon sehr detaillierten Vorgabe des Auftraggebers werden bei der Vor-Ort-Aufnahme die gewünschten Daten mit erfasst und im Anschluss in das System eingepflegt (siehe Abb. 2).

In der Praxis bedeutet dies anschließend:
Übersicht über alle anstehenden Aufgaben, wie z. B. Wartungsaufträge, TÜV-Termine und Ähnliches, kein langes Suchen nach bestimmten Unterlagen wie Reinigungssaufträgen, Rechnungen, Datenblätter etc. und schnelles, effektives und somit ökonomisches Nachpflegen der Datenbank bzw. des Datenbestandes während des laufenden Betriebs (siehe Abb. 3).

Ergebnisse - Wertermittlung
Für die Kläranlage Bamberg existiert eine aktuelle Anlagenbuchhaltung. Die Kosten sind bei den beweglichen Vermögenswerten für jedes Wirtschaftsgut erfasst und werden so in den Anlagenachweis übernommen; bei den klärtechnischen Einrichtungen sind die Kosten für die verschiedenen Gesamtanlagenteile vorhanden.
Hier war die Aufgabe, die Kosten so detailliert wie möglich den einzelnen zugehörigen Wirtschaftsgütern (Einbauten, Maschinen, Elektroinstallation) zuzuordnen.
Nach dem Abgleich des Anlagevermögens mit den Haushaltsunterlagen und den vorliegenden Rechnungen waren umfangreiche Ermittlungen durch Aktenauswertungen und Ortsbegehungen durchzuführen (siehe Abb. 4).
Nach Zusammenfassung aller baulichen Veränderungen und der Festlegung des aktuellen Bestandes wurden dann in Abstimmung mit dem Auftraggeber die Kosten, soweit wie es eindeutig nachvollziehbar war, den einzelnen selbständigen Wirtschaftsgütern detailliert zugeordnet.
Die Ausführungen im Arbeitsblatt DWA-A 133 lieferten die Grundlagen der Kostenfeingliederung (siehe Abb. 5).

Fazit:
Die detaillierte Erfassung aller Anlagenteile der Kläranlage vervollständigte die relevante Datenmasse im bereits installierten Betriebsmanagementsystem.
Dies bringt zukünftig erhebliche Vorteile hinsichtlich der enormen Betreiberverpflichtungen innerhalb der Wartung, Instandhaltung und Prüfung der technischen Einrichtungen der Kläranlage.
Weiterhin ist die Fortführung eines detaillierten Anlagennachweises problemlos möglich, da nunmehr den verschiedenen Anlageteilen die entsprechenden Herstellungskosten mit den Abschreibungssätzen exakt zugeordnet sind.